Serielles Schreiben

Foto 1

Das “serielle Schreiben” ist eine Schreibmethode des biografischen Schreibens. Du beginnst eine Serie von Sätzen immer mit demselben Wort oder mit dem selben Satz.

Diese Art des Schreibens lenkt die Aufmerksamkeit und hilft beim Fokussieren auf ein Thema. Das Wiederholen von Satzanfängen ähnelt einer Selbstsuggestion und hilft damit, z. B. in die Erinnerung einzutauchen.

Die Wiederholung kann auch anregen, beim Erinnern unterschiedliche Aspekte zu sehen und vielleicht ganz bewusst zwischen belastenden und positiven Erinnerungen zu wechseln. Ein Beispiel:

In meiner Jugend war ich oft unglücklich.
In meiner Jugend las ich viel und hörte Musik.
In meiner Jugend zog ich Kleidung an, die heute wieder modern ist.
In meiner Jugend war alles düster.
In meiner Jugend schrieb ich Gedichte.
In meiner Jugend war ich ständig verliebt.

Wem eine Zeitangabe wie “In meiner Jugend…” oder “In meiner Kindheit…” zu konkret ist, kann auch allgemeiner formulieren: “Ich erinnere mich…” oder “In meiner Erinnerung…”

_________________

Literaturhinweis:

Von Werder, Lutz, Schulte-Steinicke Barbare & Schulte Brigitte (2011) Die heilende Kraft des Schreibens. Ostfildern: Patmos-Verlag

Advertisements

Automatisches Schreiben

IMG_1208

“I write because I don’t know what I think until I read what I say.”

(“Ich schreibe, weil ich nicht weiß, was ich denke bis ich lese, was ich sage.”)

So hat es die amerikanische Schriftstellerin Mary Flannery O’Connor einmal formuliert. Am Schreiben ist faszinierend, dass wir einerseits unsere Gedanken aufschreiben, und dann wechseln wir die Rolle und lesen, was wir geschrieben haben.

Das automatische Schreiben lehnt sich an die Methode der freien Assoziation aus der Psychoanalyse an. Das heißt, es wird ohne Zensur oder Fokussierung alles aufgeschrieben, was im Augenblick des Schreibens auf das Papier fließt. Der entstehende Text wird – in nach dieser Theorie – als Zeugnis der eigenen inneren Welt gesehen.

Der französische Psychiater Pierre Janet wandte das automatische Schreiben gezielt als therapeutische Methode an. Unbewusste Gefühle und Gedanken sollten durch das Schreiben (in Trance bzw. Hypnose) auf das Papier fließen. Durch das Lesen des eigenen Texten wird dem Schreibenden dann bewusst, was er gedacht hat.

Im Surrealismus und Dadaismus galten die durch automatisches Schreiben entstandenen Texte, die frei und ohne Zensur und Regeln geschrieben wurden, als eigene Kunstform. Es entstehen meist sehr originelle Texte, über die Schreibende sich oft selber wundern…

 

Freewriting

Foto

Ich sitze stundenlang da und will schreiben und dann fange ich doch nicht an…”

Freewriting ist ein Begriff, den der Amerikaner Peter Elbow* geprägt hat. Er unterrichtete Schreiben für Studierende in den USA.  Die Grundidee ist es, in einer festgesetzten Zeit (zum Beispiel zehn Minuten) unzensiert und frei zu schreiben. Interpunktion und Rechtsschreibung spielen keine Rolle.

Wenn du auch beim Freewriting Probleme hast, anzufangen mit dem Schreiben, dann schreib das auf: “Mir fällt nichts ein. Ich weiß eigentlich nicht genau, was ich schreiben soll, am liebsten würde ich jetzt…”

Du kannst alles aufschreiben, weil du es nur für dich aufschreibst und deine Gedanken unmittelbar auf das Papier bringst.

Eine spezielle Form von Freewriting ist das fokussierte Freewriting. Dabei kannst du dir ein Thema wählen. Zum Beispiel: du hast ein Buch gelesen und schreibst zehn Minuten auf, was dich an diesem Buch beschäftigt, was du gut findest, was dir nicht gefiel.

In Gruppen einigen wir uns bei Freewriting-Texten oft auf ein Thema, über das wir schreiben. Sind die Texte fertig, tauschen wir uns z. B. dann durch einen ausgewählten Satz oder ein Wort aus unserem Freewriting-Text aus. Oder wir nehmen einen Satz oder ein Wort als Anlass für einen neuen Text.

____________

* Peter Elbow (1998) Writing Without Teachers. Oxford University Press, Oxford/New York.