Schreibwerkzeuge

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Als Schülerin hatte ich Hornhaut am Zeige- und Mittelfinger. Vielleicht hielt ich den Füller zu fest, vielleicht schrieb ich immer schon zu viel. Mit vierzehn wünschte ich mir dann eine Schreibmaschine, um endlich voranzukommen. Ich bekam eine mechanische, auf der ich meine Texte, vor allem die Handouts für Referate,  meine Facharbeit auf dem Gymnasium und meine ersten literarischen Versuche tippte.

Der Computer kam erst Anfang der 90er Jahre ins Spiel, ich nutzte ihn erst einmal vorrangig beruflich und hatte keinen eigenen. Dann “erbte” ich einen alten Mac, den ich im Prinzip ähnlich wie vorher die Schreibmaschine nutzte. Inzwischen schreibe ich viel am Laptop. Mein Schreibtempo ist schnell, ich kann mit allen zehn Fingern blind tippen. Was ich denke, zeitgleich in Text umzusetzen, kommt meiner Ungeduld sehr entgegen.

Was schreibe ich eigentlich überhaupt noch per Hand? Vor allem Tagebuch und Notizen. Meinen Kalender. Entwürfe. Meine Sketch-Books, in die ich Ideen hineinschreibe. Kreative Schreibspiele in Schreibrunden mit anderen Schreiber_innen. Da probieren wir manchmal, womit wir gerne schreiben: Füllfederhalter, Kugelschreiber, Tintenroller, Bleistift, Buntstift, Wachsmalstift. Es ist oft erstaunlich, wie unterschiedlich sich das Schreiben mit verschiedenen Schreibwerkzeugen anfühlt.

Ob das Schreiben per Hand jemals aufhören wird? Ich glaube es nicht.

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Schreiborte

IMG_1274Direkt unter dem Fenster meines Arbeitszimmers ist eine große Baustelle. Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb ich gerne in Cafés schreibe und es auch anderen empfehle, sich einen passenden Ort zum Schreiben zu suchen.

Früher mochte ich das gerne, alleine am Schreibtisch zu Hause zu sitzen. Inzwischen finde ich es schön, alleine unter Menschen im Café zu sitzen. Das ist für mich schreibanregend und komischerweise fühle ich mich nicht abgelenkt. Ganz im Gegenteil. Die Geräuschkulisse, das Murmeln und selbst die Musik empfinde ich als angenehm. Die Tasse Espresso ist mein Ritual, um mit dem Schreiben anzufangen. Ich schreibe solange der Akku des Laptops mitmacht, das gibt mir ein ganz gutes Zeitlimit vor.

Um mich herum tippen viele an ihren Laptops. Wenn ich die Schreibenden anblicke, fällt mir ihre ungünstige Sitzhaltung, runder Buckel, vorgeschobene Schultern, auf.  Das ist dann ein guter Anlass, meine eigene Sitzhaltung zu korrigieren.

Für unterschiedliche Phasen des Schreibens nutze ich unterschiedliche Orte: Bibliotheken finde ich gut, weil dort konzentriertes Arbeiten in Ruhe am Besten möglich ist.

Im Sommer finde ich es schön, draußen zu sein und z. B. im Gras zu sitzen und einen Text Korrektur zu lesen.

Eine Zeitlang habe ich passend zum Inhalt des Geschriebenen, die passende Location gesucht. Das war lustig, denn eine Szene spielte im Dachgeschoss und die habe ich auf einer Dachterrasse geschrieben.

Mein Lieblingscafé empfinde ich wie ein zweites Zuhause.

Was ist dein Lieblingsort zum Schreiben?

 

Schreibblockaden

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“Ich habe eine Schreibblockade.”

“Meine Schreibblockade heißt Roswitha. Warum auch immer. Sie ist manchmal lästig und manchmal finde ich es richtig gut, dass sie mir dabei hilft, nicht soviel herumzusitzen und mir den Rücken krumm zu schreiben. Ich kenne eigentlich ein sehr gutes Mittel, das Roswitha verschwinden lässt, es heißt “Schreibblockad-Ex”. Ist in einer Flasche, die aussieht wie gewöhnliches Tipp-Ex. Leider meistens ausverkauft in allen Schreibwarenläden und Apotheken. Wahrscheinlich, weil es aus den vielen Tränen von Schriftstellerinnen und Journalisten hergestellt werden muss, die sie vor Freude weinen, wenn sie ihre Schreibblockaden überwunden haben. Also sehr kompliziertes Herstellungsverfahren, dementsprechend teuer.”

Jede und Jeder, die und der schreibt, kennt sie: Die Schreibblockade.

Writer’s block. Die Angst vor dem weißen Blatt. Der gruselige weiße Bildschirm am Laptop.

(Es mag Glückliche geben, die sie nicht kennen. Mögen sie sich glücklich schätzen.)

Schreibblockaden können sehr unterschiedlich aussehen. Für die einen ist es bereits eine “Schreibblockade”, wenn sie eher lustlos am Schreibtisch sitzen und nur langsam vorankommen. Bei anderen geht gar nichts mehr, sie schreiben nicht. Obwohl sie müssten oder wollten.

Es gibt viele Ansatzpunkte. Der ultimative Geheimtipp ist: Schreibblockaden durch das Schreiben lösen.

Nimm ein Blatt Papier, schalte das Laptop an und los geht es.

Schreib fünf Minuten. Oder zehn Zeilen.

Das ist überschaubar und besser als gar nichts zu schreiben.

Wenn du magst, schreibe einen kurzen Text:  “Alles über meine Schreibblockade”. Wie sieht sie aus? Ist sie überhaupt eine “sie”? Was möchte sie? Hat sie auch nette Seiten? Was will sie? Wie heißt sie?

Meine heißt – wie gesagt – Roswitha. Wie heißt deine? Hast du schoon mal so etwas wie Schreibblockad-Ex ausprobiert?

 

 

 

 

 

 

Serielles Schreiben

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Das “serielle Schreiben” ist eine Schreibmethode des biografischen Schreibens. Du beginnst eine Serie von Sätzen immer mit demselben Wort oder mit dem selben Satz.

Diese Art des Schreibens lenkt die Aufmerksamkeit und hilft beim Fokussieren auf ein Thema. Das Wiederholen von Satzanfängen ähnelt einer Selbstsuggestion und hilft damit, z. B. in die Erinnerung einzutauchen.

Die Wiederholung kann auch anregen, beim Erinnern unterschiedliche Aspekte zu sehen und vielleicht ganz bewusst zwischen belastenden und positiven Erinnerungen zu wechseln. Ein Beispiel:

In meiner Jugend war ich oft unglücklich.
In meiner Jugend las ich viel und hörte Musik.
In meiner Jugend zog ich Kleidung an, die heute wieder modern ist.
In meiner Jugend war alles düster.
In meiner Jugend schrieb ich Gedichte.
In meiner Jugend war ich ständig verliebt.

Wem eine Zeitangabe wie “In meiner Jugend…” oder “In meiner Kindheit…” zu konkret ist, kann auch allgemeiner formulieren: “Ich erinnere mich…” oder “In meiner Erinnerung…”

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Literaturhinweis:

Von Werder, Lutz, Schulte-Steinicke Barbare & Schulte Brigitte (2011) Die heilende Kraft des Schreibens. Ostfildern: Patmos-Verlag