Schreibblockaden

Foto

“Ich habe eine Schreibblockade.”

“Meine Schreibblockade heißt Roswitha. Warum auch immer. Sie ist manchmal lästig und manchmal finde ich es richtig gut, dass sie mir dabei hilft, nicht soviel herumzusitzen und mir den Rücken krumm zu schreiben. Ich kenne eigentlich ein sehr gutes Mittel, das Roswitha verschwinden lässt, es heißt “Schreibblockad-Ex”. Ist in einer Flasche, die aussieht wie gewöhnliches Tipp-Ex. Leider meistens ausverkauft in allen Schreibwarenläden und Apotheken. Wahrscheinlich, weil es aus den vielen Tränen von Schriftstellerinnen und Journalisten hergestellt werden muss, die sie vor Freude weinen, wenn sie ihre Schreibblockaden überwunden haben. Also sehr kompliziertes Herstellungsverfahren, dementsprechend teuer.”

Jede und Jeder, die und der schreibt, kennt sie: Die Schreibblockade.

Writer’s block. Die Angst vor dem weißen Blatt. Der gruselige weiße Bildschirm am Laptop.

(Es mag Glückliche geben, die sie nicht kennen. Mögen sie sich glücklich schätzen.)

Schreibblockaden können sehr unterschiedlich aussehen. Für die einen ist es bereits eine “Schreibblockade”, wenn sie eher lustlos am Schreibtisch sitzen und nur langsam vorankommen. Bei anderen geht gar nichts mehr, sie schreiben nicht. Obwohl sie müssten oder wollten.

Es gibt viele Ansatzpunkte. Der ultimative Geheimtipp ist: Schreibblockaden durch das Schreiben lösen.

Nimm ein Blatt Papier, schalte das Laptop an und los geht es.

Schreib fünf Minuten. Oder zehn Zeilen.

Das ist überschaubar und besser als gar nichts zu schreiben.

Wenn du magst, schreibe einen kurzen Text:  “Alles über meine Schreibblockade”. Wie sieht sie aus? Ist sie überhaupt eine “sie”? Was möchte sie? Hat sie auch nette Seiten? Was will sie? Wie heißt sie?

Meine heißt – wie gesagt – Roswitha. Wie heißt deine? Hast du schoon mal so etwas wie Schreibblockad-Ex ausprobiert?

 

 

 

 

 

 

Advertisements

Schreibtypen

IMAG1364

Menschen sind verschieden.

Manchen gibt Struktur Sicherheit, die anderen langweilt und hemmt zu viel Struktur.

Manche können ohne Gliederung (oder im literarischen Bereich ohne “Vorplotten”) gar nicht erst anfangen zu schreiben. Andere fühlen sich schnell eingeschränkt durch zu viele Pläne und Vorgaben.

In der Schreibpädagogik wird deshalb zwischen verschiedenen “Schreibtypen” unterschieden. Meistens läuft es auf die Kategorien “Planen” versus “Drauflosschreiben” hinaus und natürlich gibt es viele “Schreibtypen”, die eher so dazwischen liegen. Dazu kommt, dass viele Phasen des Schreibens und auch viele Texttypen jeweils mehr Planung oder mehr freies Schreiben einfordern.

Beide Schreibtypen haben – wie so vieles im Leben – Vorteile und Nachteile.

Vorteil des Planens: Wer plant, hat von Anfang an einen “Fahrplan”, an dem er/sie sich orientieren kann.
Nachteil: Das Schreiben kann zäh werden. Manchmal steht da eine wunderbare Gliederung im Raum, aber der Text lässt auf sich warten, die entscheidende Schreibidee bleibt aus …

Vorteil des “Drauflosschreibens”: Es fällt leichter anzufangen, weil man den eigenen Einfällen folgen kann.
Nachteil: Die Übersicht fehlt irgendwann, die Gefahr des Verzettelns ist groß.

Günstig ist es, sich selbst zu kennen und vor allem die eigene Art des Schreibens zunächst zu akzeptieren. Fehlende oder vernachlässigte Aspekte lassen sich ergänzen.

Planer_innen können zum Beispiel durch kreative Methoden wieder mehr Leichtigkeit in ihr Schreiben holen und Schreibblockaden vorbeugen.  Durch das Führen eines Schreibjournals können sie Ideen und Einfälle sammeln oder durch Freewriting den Schreibfluss wieder in Gang bringen.

“Drauflosschreiber_innen” können sich mit kreativen Visualisierungtechniken beschäftigen, um nachträglich Ordnung und Struktur in ihren Text bringen. Ein Cluster zeigt vielleicht eine erste Ordnungsweise, die passen könnte. Noch genauer und mehr in Richtung Gliederung geht ein Mindmap. Oder kreativer: den eigenen Text als Weg aufmalen und die wichtigsten Stationen aufzuzeigen.

Wie bei vielen Dingen im Leben geht es darum, die für eine/n selbst richtige Balance zu finden. Dann klappt es ganz gut mit dem Schreiben.

 

 

 

Serielles Schreiben

Foto 1

Das “serielle Schreiben” ist eine Schreibmethode des biografischen Schreibens. Du beginnst eine Serie von Sätzen immer mit demselben Wort oder mit dem selben Satz.

Diese Art des Schreibens lenkt die Aufmerksamkeit und hilft beim Fokussieren auf ein Thema. Das Wiederholen von Satzanfängen ähnelt einer Selbstsuggestion und hilft damit, z. B. in die Erinnerung einzutauchen.

Die Wiederholung kann auch anregen, beim Erinnern unterschiedliche Aspekte zu sehen und vielleicht ganz bewusst zwischen belastenden und positiven Erinnerungen zu wechseln. Ein Beispiel:

In meiner Jugend war ich oft unglücklich.
In meiner Jugend las ich viel und hörte Musik.
In meiner Jugend zog ich Kleidung an, die heute wieder modern ist.
In meiner Jugend war alles düster.
In meiner Jugend schrieb ich Gedichte.
In meiner Jugend war ich ständig verliebt.

Wem eine Zeitangabe wie “In meiner Jugend…” oder “In meiner Kindheit…” zu konkret ist, kann auch allgemeiner formulieren: “Ich erinnere mich…” oder “In meiner Erinnerung…”

_________________

Literaturhinweis:

Von Werder, Lutz, Schulte-Steinicke Barbare & Schulte Brigitte (2011) Die heilende Kraft des Schreibens. Ostfildern: Patmos-Verlag

Automatisches Schreiben

IMG_1208

“I write because I don’t know what I think until I read what I say.”

(“Ich schreibe, weil ich nicht weiß, was ich denke bis ich lese, was ich sage.”)

So hat es die amerikanische Schriftstellerin Mary Flannery O’Connor einmal formuliert. Am Schreiben ist faszinierend, dass wir einerseits unsere Gedanken aufschreiben, und dann wechseln wir die Rolle und lesen, was wir geschrieben haben.

Das automatische Schreiben lehnt sich an die Methode der freien Assoziation aus der Psychoanalyse an. Das heißt, es wird ohne Zensur oder Fokussierung alles aufgeschrieben, was im Augenblick des Schreibens auf das Papier fließt. Der entstehende Text wird – in nach dieser Theorie – als Zeugnis der eigenen inneren Welt gesehen.

Der französische Psychiater Pierre Janet wandte das automatische Schreiben gezielt als therapeutische Methode an. Unbewusste Gefühle und Gedanken sollten durch das Schreiben (in Trance bzw. Hypnose) auf das Papier fließen. Durch das Lesen des eigenen Texten wird dem Schreibenden dann bewusst, was er gedacht hat.

Im Surrealismus und Dadaismus galten die durch automatisches Schreiben entstandenen Texte, die frei und ohne Zensur und Regeln geschrieben wurden, als eigene Kunstform. Es entstehen meist sehr originelle Texte, über die Schreibende sich oft selber wundern…

 

Freewriting

Foto

Ich sitze stundenlang da und will schreiben und dann fange ich doch nicht an…”

Freewriting ist ein Begriff, den der Amerikaner Peter Elbow* geprägt hat. Er unterrichtete Schreiben für Studierende in den USA.  Die Grundidee ist es, in einer festgesetzten Zeit (zum Beispiel zehn Minuten) unzensiert und frei zu schreiben. Interpunktion und Rechtsschreibung spielen keine Rolle.

Wenn du auch beim Freewriting Probleme hast, anzufangen mit dem Schreiben, dann schreib das auf: “Mir fällt nichts ein. Ich weiß eigentlich nicht genau, was ich schreiben soll, am liebsten würde ich jetzt…”

Du kannst alles aufschreiben, weil du es nur für dich aufschreibst und deine Gedanken unmittelbar auf das Papier bringst.

Eine spezielle Form von Freewriting ist das fokussierte Freewriting. Dabei kannst du dir ein Thema wählen. Zum Beispiel: du hast ein Buch gelesen und schreibst zehn Minuten auf, was dich an diesem Buch beschäftigt, was du gut findest, was dir nicht gefiel.

In Gruppen einigen wir uns bei Freewriting-Texten oft auf ein Thema, über das wir schreiben. Sind die Texte fertig, tauschen wir uns z. B. dann durch einen ausgewählten Satz oder ein Wort aus unserem Freewriting-Text aus. Oder wir nehmen einen Satz oder ein Wort als Anlass für einen neuen Text.

____________

* Peter Elbow (1998) Writing Without Teachers. Oxford University Press, Oxford/New York.