Schreibwerkzeuge

All-focus

Als Schülerin hatte ich Hornhaut am Zeige- und Mittelfinger. Vielleicht hielt ich den Füller zu fest, vielleicht schrieb ich immer schon zu viel. Mit vierzehn wünschte ich mir dann eine Schreibmaschine, um endlich voranzukommen. Ich bekam eine mechanische, auf der ich meine Texte, vor allem die Handouts für Referate,  meine Facharbeit auf dem Gymnasium und meine ersten literarischen Versuche tippte.

Der Computer kam erst Anfang der 90er Jahre ins Spiel, ich nutzte ihn erst einmal vorrangig beruflich und hatte keinen eigenen. Dann “erbte” ich einen alten Mac, den ich im Prinzip ähnlich wie vorher die Schreibmaschine nutzte. Inzwischen schreibe ich viel am Laptop. Mein Schreibtempo ist schnell, ich kann mit allen zehn Fingern blind tippen. Was ich denke, zeitgleich in Text umzusetzen, kommt meiner Ungeduld sehr entgegen.

Was schreibe ich eigentlich überhaupt noch per Hand? Vor allem Tagebuch und Notizen. Meinen Kalender. Entwürfe. Meine Sketch-Books, in die ich Ideen hineinschreibe. Kreative Schreibspiele in Schreibrunden mit anderen Schreiber_innen. Da probieren wir manchmal, womit wir gerne schreiben: Füllfederhalter, Kugelschreiber, Tintenroller, Bleistift, Buntstift, Wachsmalstift. Es ist oft erstaunlich, wie unterschiedlich sich das Schreiben mit verschiedenen Schreibwerkzeugen anfühlt.

Ob das Schreiben per Hand jemals aufhören wird? Ich glaube es nicht.

Advertisements

Schreibprozess

priesterweg.jpg

Kürzlich stieß ich auf eine Zusammenfassung Der Schreibprozess nach Otto Kruse vom Schreibzentrum der Uni Frankfurt. Das Bild hat mir gut gefallen, erinnert es mich doch an die Berliner Ringbahn. Jeder Arbeitsschritt eine S-Bahn-Haltestelle. Vom “leeren Blatt” bis zur abgabereifen Endversion einmal den ganzen Ring herum fahren…. das lässt die lange Strecke eigentlich ganz übersichtlich wirken.

Unter den vielen, vielen Büchern zum wissenschaftlichen Schreiben ist der Klassiker von Otto Kruse “Keine Angst vor dem leeren Blatt” immer noch mein Favorit. Kruse gibt einfach einen sehr guten Überblick über alle Aspekte des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens – von der Hausarbeit bis zur Abschlussarbeit.*

Ich bin immer wieder überrascht, dass viele Studierende gar nicht von selbst auf die Idee kommen, sich ein Buch zum wissenschaftlichen Arbeiten auszuleihen oder anzuschaffen.

Dabei ist es eigentlich naheliegend und empfehlenswert.

Warum?

Ein Buch ist übersichtlicher als die unzähligen Internet-Einträge, die zu den typischen Themen auftauchen.

Ein Buch kann ein Begleiter durch das ganze Studium sein – von der Erstellung eines Referates, über die Hausarbeiten bis zur Abschlussarbeit.

Ein Buch stellt ein gutes erstes Übungsfeld zum wissenschaftlichen Arbeiten dar. Lesen, Zusammenfassen, Unterstreichen, Markieren, das Wesentliche Herausarbeiten – das sind alles Arbeitsprozesse, die sich gut üben lassen.

Welches Buch passt am Besten?

Das Buch sollte natürlich zum eigenen Studiengebiet passen oder zumindest auf die unterschiedlichen Anforderungen in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeitsgebieten eingehen.

Darüber hinaus sollte der Stil des Buches zu den eigenen Lesegewohnheiten passen. Hier sind die Geschmäcker sehr verschieden. Manche mögen es eher kurz und kompakt, manche kreativ und erzählerisch.

Am Besten Sie leihen sich verschiedene Bücher aus und probieren aus, mit welchem Sie gut arbeiten können. Wenn sich eines als “Lieblingsbuch” herauskristallisiert, kann es sich lohnen, ein eigenes Exemplar anzuschaffen.

In der Regel haben aber sowohl öffentliche als auch Uni- bzw. Hochschulbibliotheken zahlreiche und genügend verfügbare Exemplare von älteren und aktuellen Büchern über das wissenschaftliche Schreiben.

Literatur:

*Kruse O. (2008) Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durch das Studium. 12. Auflage. Campus-Verlag.