Feedback

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Feedback ist wichtig. Schreiben ist ein einsamer Job. Zu hören, was andere über die Texte sagen, die man schreibt, kann Ansporn sein. Manchmal ist es auch ernüchternd. Feedback ist eine zweischneidige Sache. Man wünscht sich möglichst positive Resonanz, aber es soll ja auch ehrlich sein. Was es nützt es einem, wenn alle nur “ja, ja, ganz nett” sagen? Aber manche Kritik würde man sich auch lieber ersparen. Wenn sie ein Rundumschlag ist und danach das Gefühl aufkommt, an diesem Text ist Hopfen und Malz verloren. Wo liegt das richtige Maß?

In den meisten Fortbildungen, die ich erlebt habe, wurde beim Thema “Feedback” auf die so genannte Sandwich-Methode verwiesen. Kurz und vereinfacht gesagt bedeutet “Sandwich”-Methode, dass man bei einer Rückmeldung (z. B. in einer Schreibgruppe) zunächst etwas Positives, dann etwas eher Kritisches und am Schluss wieder etwas Positives äußert. Im pädagogischen Bereich wird dies auch “Bonbon”-Methode genannt, wenn eine kritische Rückmeldung in eine positiv-lobende “Verpackung” gesteckt wird. In der Schule hört sich das oft so an: “Ich sehe, dass du dich sehr bemüht hast und der Gedanke ist sehr interessant. Eigentlich lautet die Antwort aber ….“. Auf jeden Fall ist dies netter als die Aussage: “Setzen. Sechs.” Die Kritik wird der Schüler oder die SChülerin trotzdem heraushören. Genauso ist das mit dem “Ja, ja, dein Text ist ganz nett.”

Leider haftet allen Feedback- und Kommunikations-Techniken (z. B. den berühmten Reden in “Ich-Botschaften”) immer etwas Künstliches und Aufgesetztes an. Das liegt oft daran, dass die Haltung eine andere ist, als die Technik, die verwendet wird.

Wenn es nämlich nur um Auslese geht, wird der Text nicht individuell gesehen, sondern nur im Vergleich mit anderen Texten. Wenn ich jedoch der Meinung bin, dass in jedem Menschen und in jedem Text ein Potenzial schlummert, dann muss ich mich nicht an eine bestimmte Feedback-Technik klammern, dann ist mein Wohlwollen den Schreibenden und ihren Texten gegenüber ehrlich. Ich muss nicht heucheln, sondern kann mich einfach darauf konzentrieren, an welchen Stellen der Text weitergeführt werden kann. Diese Art des Feedbacks, die an der Ausbaufähigkeit und dem Potenzial des Textes ansetzt, ist übrigens wesentlich anspruchsvoller als eine Kritik, die sich den Schwachstellen widmet. 

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Serielles Schreiben

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Das “serielle Schreiben” ist eine Schreibmethode des biografischen Schreibens. Du beginnst eine Serie von Sätzen immer mit demselben Wort oder mit dem selben Satz.

Diese Art des Schreibens lenkt die Aufmerksamkeit und hilft beim Fokussieren auf ein Thema. Das Wiederholen von Satzanfängen ähnelt einer Selbstsuggestion und hilft damit, z. B. in die Erinnerung einzutauchen.

Die Wiederholung kann auch anregen, beim Erinnern unterschiedliche Aspekte zu sehen und vielleicht ganz bewusst zwischen belastenden und positiven Erinnerungen zu wechseln. Ein Beispiel:

In meiner Jugend war ich oft unglücklich.
In meiner Jugend las ich viel und hörte Musik.
In meiner Jugend zog ich Kleidung an, die heute wieder modern ist.
In meiner Jugend war alles düster.
In meiner Jugend schrieb ich Gedichte.
In meiner Jugend war ich ständig verliebt.

Wem eine Zeitangabe wie “In meiner Jugend…” oder “In meiner Kindheit…” zu konkret ist, kann auch allgemeiner formulieren: “Ich erinnere mich…” oder “In meiner Erinnerung…”

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Literaturhinweis:

Von Werder, Lutz, Schulte-Steinicke Barbare & Schulte Brigitte (2011) Die heilende Kraft des Schreibens. Ostfildern: Patmos-Verlag