Schreibflow

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“Das Talent sitzt im Arsch.” (Paul Schuster)

Paul Schuster war ein Berliner Schreiblehrer, der u.a. an Herta Müllers Erfolg als Schriftstellerin großen Anteil gehabt haben soll. Von ihm stammt dieses ziemlich ruppige Zitat über das Schreiben. Ich verstehe es so, dass das “Sitzfleisch” darüber entscheidet, ob aus dem Talent überhaupt etwas wird. Wer einen längeren Text schreiben will, muss sich damit abfinden, lange zu sitzen und zu schreiben. Eine Binsenweisheit. Aber ich habe schon oft festgestellt, dass vielen dies gar nicht klar ist.

Mihály Csíkszentmihályi, Psychologie-Professor der Uni Chicago (mittlerweile emeritiert), hat nämlich den Begriff “Flow” eingeführt. Das ist dieser Zustand, wenn alle Konzentration in die Tätigkeit fließt und man die Welt um sich herum vergisst. Beim Schreib-Flow strömen die Ideen wie von selbst auf das Papier (oder in die Tastatur). Aber auch solche im Flow geschriebenen Texte kommen dann irgendwann in die Überarbeitungsphase. Spätestens dann ist das “Sitzfleisch” wieder sehr gefragt, damit aus guten Ideen ein guter Text wird.

Ich kenne beide Schreibzustände: Zeiten, in denen ich fast süchtig nach dem Schreiben bin und die Geschichten fließen. Wenn der Rücken nicht schmerzte, die Augen nicht verspannten, ich würde nicht aufhören zu schreiben. Genauso kenne ich aber auch die Neigung zum Prokrastinieren, das Gefühl, mich zum Schreiben zwingen zu müssen, das Schreiben als mühselige Arbeit, und am Ende die Frage, wozu das Ganze?

Jede und jeder, der oder die an einem längeren Schreibprojekt sitzt, kennt diese Schreibunwilligkeit, die manchmal in eine Schreibblockade mündet. Der “Flow” lässt auf sich warten, das Schreiben wird zur mühseligen Arbeit.

Aus diesem Grund halte ich den Spruch von Paul Schuster für realistisch. Der “Schreibflow” trägt Schreiber_innen meistens nur am Anfang, danach geht es um Ausdauer und um das Durchhalten und Akzeptieren der Durststrecken.

Zwei Tipps, um die Durststrecken zu überwinden, kann ich hier aus eigener Erfahrung einbringen:

  1. Einen Zeit- und Arbeitsplan aufstellen
    Feste Schreibzeiten für das Schreibprojekt aufstellen, die realistisch, also nicht zu lange, aber auch nicht zu selten sind.
    Ein Beispiel für einen Zeitplan findet sich auf der Seite von Neil Fiore, dem amerikanischen Psychologen, der sich sehr intensiv (und sehr psychologisch) mit Prokrastination beschäftigt hat: http://www.neilfiore.com/now-habit-schedules/
  2. Schreibrituale entwickeln
    Die Tasse Kaffee, die Musik, die unbedingt im Hintergrund laufen muss, bestimmte Schreiborte, der Tagebucheintrag vor dem Starten des Laptops. Jede_r Schreiber_in hat eigene Rituale, die wichtig sind.

 

 

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Schreibblockaden

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“Ich habe eine Schreibblockade.”

“Meine Schreibblockade heißt Roswitha. Warum auch immer. Sie ist manchmal lästig und manchmal finde ich es richtig gut, dass sie mir dabei hilft, nicht soviel herumzusitzen und mir den Rücken krumm zu schreiben. Ich kenne eigentlich ein sehr gutes Mittel, das Roswitha verschwinden lässt, es heißt “Schreibblockad-Ex”. Ist in einer Flasche, die aussieht wie gewöhnliches Tipp-Ex. Leider meistens ausverkauft in allen Schreibwarenläden und Apotheken. Wahrscheinlich, weil es aus den vielen Tränen von Schriftstellerinnen und Journalisten hergestellt werden muss, die sie vor Freude weinen, wenn sie ihre Schreibblockaden überwunden haben. Also sehr kompliziertes Herstellungsverfahren, dementsprechend teuer.”

Jede und Jeder, die und der schreibt, kennt sie: Die Schreibblockade.

Writer’s block. Die Angst vor dem weißen Blatt. Der gruselige weiße Bildschirm am Laptop.

(Es mag Glückliche geben, die sie nicht kennen. Mögen sie sich glücklich schätzen.)

Schreibblockaden können sehr unterschiedlich aussehen. Für die einen ist es bereits eine “Schreibblockade”, wenn sie eher lustlos am Schreibtisch sitzen und nur langsam vorankommen. Bei anderen geht gar nichts mehr, sie schreiben nicht. Obwohl sie müssten oder wollten.

Es gibt viele Ansatzpunkte. Der ultimative Geheimtipp ist: Schreibblockaden durch das Schreiben lösen.

Nimm ein Blatt Papier, schalte das Laptop an und los geht es.

Schreib fünf Minuten. Oder zehn Zeilen.

Das ist überschaubar und besser als gar nichts zu schreiben.

Wenn du magst, schreibe einen kurzen Text:  “Alles über meine Schreibblockade”. Wie sieht sie aus? Ist sie überhaupt eine “sie”? Was möchte sie? Hat sie auch nette Seiten? Was will sie? Wie heißt sie?

Meine heißt – wie gesagt – Roswitha. Wie heißt deine? Hast du schoon mal so etwas wie Schreibblockad-Ex ausprobiert?

 

 

 

 

 

 

Schreibtypen

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Menschen sind verschieden.

Manchen gibt Struktur Sicherheit, die anderen langweilt und hemmt zu viel Struktur.

Manche können ohne Gliederung (oder im literarischen Bereich ohne “Vorplotten”) gar nicht erst anfangen zu schreiben. Andere fühlen sich schnell eingeschränkt durch zu viele Pläne und Vorgaben.

In der Schreibpädagogik wird deshalb zwischen verschiedenen “Schreibtypen” unterschieden. Meistens läuft es auf die Kategorien “Planen” versus “Drauflosschreiben” hinaus und natürlich gibt es viele “Schreibtypen”, die eher so dazwischen liegen. Dazu kommt, dass viele Phasen des Schreibens und auch viele Texttypen jeweils mehr Planung oder mehr freies Schreiben einfordern.

Beide Schreibtypen haben – wie so vieles im Leben – Vorteile und Nachteile.

Vorteil des Planens: Wer plant, hat von Anfang an einen “Fahrplan”, an dem er/sie sich orientieren kann.
Nachteil: Das Schreiben kann zäh werden. Manchmal steht da eine wunderbare Gliederung im Raum, aber der Text lässt auf sich warten, die entscheidende Schreibidee bleibt aus …

Vorteil des “Drauflosschreibens”: Es fällt leichter anzufangen, weil man den eigenen Einfällen folgen kann.
Nachteil: Die Übersicht fehlt irgendwann, die Gefahr des Verzettelns ist groß.

Günstig ist es, sich selbst zu kennen und vor allem die eigene Art des Schreibens zunächst zu akzeptieren. Fehlende oder vernachlässigte Aspekte lassen sich ergänzen.

Planer_innen können zum Beispiel durch kreative Methoden wieder mehr Leichtigkeit in ihr Schreiben holen und Schreibblockaden vorbeugen.  Durch das Führen eines Schreibjournals können sie Ideen und Einfälle sammeln oder durch Freewriting den Schreibfluss wieder in Gang bringen.

“Drauflosschreiber_innen” können sich mit kreativen Visualisierungtechniken beschäftigen, um nachträglich Ordnung und Struktur in ihren Text bringen. Ein Cluster zeigt vielleicht eine erste Ordnungsweise, die passen könnte. Noch genauer und mehr in Richtung Gliederung geht ein Mindmap. Oder kreativer: den eigenen Text als Weg aufmalen und die wichtigsten Stationen aufzuzeigen.

Wie bei vielen Dingen im Leben geht es darum, die für eine/n selbst richtige Balance zu finden. Dann klappt es ganz gut mit dem Schreiben.

 

 

 

Schreibprozess

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Kürzlich stieß ich auf eine Zusammenfassung Der Schreibprozess nach Otto Kruse vom Schreibzentrum der Uni Frankfurt. Das Bild hat mir gut gefallen, erinnert es mich doch an die Berliner Ringbahn. Jeder Arbeitsschritt eine S-Bahn-Haltestelle. Vom “leeren Blatt” bis zur abgabereifen Endversion einmal den ganzen Ring herum fahren…. das lässt die lange Strecke eigentlich ganz übersichtlich wirken.

Unter den vielen, vielen Büchern zum wissenschaftlichen Schreiben ist der Klassiker von Otto Kruse “Keine Angst vor dem leeren Blatt” immer noch mein Favorit. Kruse gibt einfach einen sehr guten Überblick über alle Aspekte des wissenschaftlichen Arbeitens und Schreibens – von der Hausarbeit bis zur Abschlussarbeit.*

Ich bin immer wieder überrascht, dass viele Studierende gar nicht von selbst auf die Idee kommen, sich ein Buch zum wissenschaftlichen Arbeiten auszuleihen oder anzuschaffen.

Dabei ist es eigentlich naheliegend und empfehlenswert.

Warum?

Ein Buch ist übersichtlicher als die unzähligen Internet-Einträge, die zu den typischen Themen auftauchen.

Ein Buch kann ein Begleiter durch das ganze Studium sein – von der Erstellung eines Referates, über die Hausarbeiten bis zur Abschlussarbeit.

Ein Buch stellt ein gutes erstes Übungsfeld zum wissenschaftlichen Arbeiten dar. Lesen, Zusammenfassen, Unterstreichen, Markieren, das Wesentliche Herausarbeiten – das sind alles Arbeitsprozesse, die sich gut üben lassen.

Welches Buch passt am Besten?

Das Buch sollte natürlich zum eigenen Studiengebiet passen oder zumindest auf die unterschiedlichen Anforderungen in verschiedenen wissenschaftlichen Arbeitsgebieten eingehen.

Darüber hinaus sollte der Stil des Buches zu den eigenen Lesegewohnheiten passen. Hier sind die Geschmäcker sehr verschieden. Manche mögen es eher kurz und kompakt, manche kreativ und erzählerisch.

Am Besten Sie leihen sich verschiedene Bücher aus und probieren aus, mit welchem Sie gut arbeiten können. Wenn sich eines als “Lieblingsbuch” herauskristallisiert, kann es sich lohnen, ein eigenes Exemplar anzuschaffen.

In der Regel haben aber sowohl öffentliche als auch Uni- bzw. Hochschulbibliotheken zahlreiche und genügend verfügbare Exemplare von älteren und aktuellen Büchern über das wissenschaftliche Schreiben.

Literatur:

*Kruse O. (2008) Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durch das Studium. 12. Auflage. Campus-Verlag.

Expressives Schreiben

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Der amerikanische Psychologie-Professor James W. Pennebaker* hat sich damit beschäftigt, wie Traumata verarbeitet werden. Neben Persönlichkeitsfaktoren und genetischer Disposition sind es Copingstrategien (also der Umgang mit dem traumatischen Erlebnis), die bei der Verarbeitung eines Traumas helfen können.

In einer ersten Studie von 1986 ordnete er Studenten und Studentinnen per Zufallsprinzip zwei Gruppen zu. Die eine Gruppe sollte über ein traumatisches Ereignis schreiben, die andere über ein oberflächliches Thema (zum Beispiel ihre Zeitplanung). Zeit: 15 Minuten, an vier aufeinander folgende Tage.

In weiteren Studien probierte er unterschiedliche Settings aus. Die Schreibzeit variierte zwischen 10 – 30 Minuten. Es wurde an 2,3, 4 oder 5 Tagen geschrieben oder vier Wochen lang an jeweils nur einem Wochentag. Auch inhaltlich wurde das Thema erweitert, es konnte über emotional sehr bewegende Erlebnisse geschrieben werden (das Trauma stand nicht mehr so im Fokus).

Die Wirkung wurde in der ersten Studie an der Zahl der Arztbesuche gemessen. In weiteren Studien wurde mit einem Fragebogen gearbeitet. Auch neuroimmunologische Parameter wurden untersucht.

Die Ergebnisse sind meines Erachtens nicht so eindeutig und mit Vorsicht zu bewerten: manche Studien zeigten, dass eher “gesunde” Klientinnen vom expressiven Schreiben profitierten, dann wiederum profitierten zwar sehr belastete Studienteilnehmer, aber insgesamt ist der Effekt nicht höher als bei anderen psychologischen Interventionen wie Beratung und Gespräch. Ungeklärt bleibt auch, was Schreiben dem Sprechen voraus haben könnte. Die Interpretation der Immunparameter ist auch viel zu komplex als dass die Aussage “expressives Schreiben verbessert die Immunlage” Sinn machen könnte.

Schreiben fand und findet sich immer schon in vielen therapeutischen Ansätzen. Pennebakers systematische Erforschung des expressiven Schreibens hat dafür gesorgt, dass dieses Konzept anerkannt und auch überhaupt bekannt wurde. Ich persönlich finde das expressive Schreiben ein wenig arg reguliert, es schränkt Menschen, die gerne fantasievoller und biografisch schreiben unter Umständen ein. Außerdem war es schon immer die Poesie und das Spielen mit Worten, die es Menschen ermöglicht hat, auch über schwierige und belastende Erfahrungen zu schreiben. Das kommt beim expressiven Schreiben unter Umständen zu kurz.

* Der Übersichtsartikel ist hier abrufbar: http://homepage.psy.utexas.edu/homepage/faculty/pennebaker/reprints/Pennebaker&Chung_FriedmanChapter.pdf

Information zu seinem Lehrbuch findet sich auch in einer Rezension in der Psychologie Heute

Bibliotherapie

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Von Erich Kästner gibt es eine “Lyrische Hausapotheke”. Warum das Lesen von Gedichten heilsam sein könnte, begründet er so: „Die Formulierung, die Verallgemeinerung, die Antithese, die Parodie und die übrigen Variationen der Maßstäbe und der Empfindungsgrade, alles das sind bewährte Heilmethoden. (…) Die Katharsis ist älter als ihr Entdecker und nützlicher als ihre Interpreten.

Ein recht aktuelles Buch, “Die Romantherapie” von Ella Berthoud und Susan Elderkin, wirbt sogar folgendermaßen: “Bücher auf Rezept: Fallada für die Hoffnungslosen, Tolstoi bei Zahnweh (und, ja, natürlich auch bei Ehebruch) und Schiffbruch mit Tiger in ausweglosen Situationen – die Romantherapie kennt für jede Lebenslage das richtige Buch. Ob Sie an Kaufsucht oder Liebesmangel leiden, ihre Nase hassen, zu wenig Sex haben oder einfach hoffnungslos eitel sind, bei alldem hilft nur eins: der richtige Roman.“*

Und dann stieß ich vor geraumer Zeit auf der Webseite eines Medizinischen Versorgungszentrums auf das Angebot “Bibliotherapie”, klickte ganz neugierig auf den Link und stellt dann fest, dass damit das Lesen von Ratgeberbüchern gemeint war.

Was haben nun die “Romantherapie”, die “Lyrische Hausapotheke” und die Ratgeberliteratur mit Bibliotherapie zu tun?

Wörtlich aus dem Griechischen übersetzt bedeutet Bibliotherapie einfach nur das Heilen mit Büchern. Eine mögliche Definition für Bibliotherapie ist, das Lesen von empfohlener Literatur zur Unterstützung von therapeutischen Prozessen in Medizin und Psychotherapie. Die Bandbreite reicht tatsächlich von Selbsthilfe- oder Fachliteratur, über das Lesen von Lyrik oder Prosa bis hin zu Texten, die von anderen Patienten (z. B. im Rahmen einer Schreibgruppe) verfasst wurden oder als „Schicksalsberichte“ gedruckt vorliegen.

Der Psychotherapeut Nossrat Peseschkian (1976) hat im Rahmen der von ihm entwickelten Positiven Psychotherapie Klienten häufig fiktive Geschichten angeboten. Er ging von folgenden Mechanismen aus, die eine Entwicklung bei Klienten durch das Lesen der Geschichten anregen:

  • Klienten können sich mit der Geschichte identifizieren
  • Sie erkennen dadurch eigene Probleme oder Bedürfnisse
  • Die Geschichte zeigt modellhafte Lösungswege
  • Die Bildhaftigkeit von Geschichten macht sie gut versteh- und erinnerbar 
  • Geschichten bieten eine milde Art von Konfrontation
  • Geschichten bilden transkulturelle und traditionsübergreifende Wertvorstellungen ab.

Letztlich kann Bibliotherapie auch als “Lernen am Modell” verstanden werden. Das Lesen kann neue Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Silke Heimes (2012) sieht die Bibliotherapie als Bestandteil der Poesietherapie bzw. des therapeutischen Schreibens. Kreativen Schreibprozessen geht ja häufig das Lesen von Texten voraus, zum Beispiel wenn ein Text als Schreibimpuls gegeben wird. Gleichzeitig kann das Lesen und Besprechen von Texten auch als Teil eines therapeutischen Gesprächs in der Gruppe oder im Zweier-Setting (Therapeutin/Klientin) gesehen werden.

Unklar ist allerdings, nach welchen Kriterien die bibliotherapeutisch genutzte Literatur ausgewählt werden soll. Aus poesietherapeutischer Sicht finden sich Hinweise wie die von Leedy (2009), nämlich ein Gedicht danach auszuwählen, dass es der Stimmung von Patienten entspricht. Empirische Befunde liegen hier – meinen bisherigen Recherchen nach – jedoch nicht vor. Für depressive Patienten käme nach der Ansicht von Leedy (2009) ein eher melancholisches Gedicht in Frage. Zu düster darf es aber auch nicht sein, damit keine Hoffnungslosigkeit aufkommt.*

Es ist klar, dass das sehr vage und wenig überprüfte Angaben sind. In einem therapeutischen bzw. an der Selbsterfahrung orientierten Setting wird es sicherlich von der Gruppe, dem Gruppenleiter oder der Therapeutin abhängen, welche Auswahl an Literatur erfolgt. Insofern ist es auch nicht abwegig, für das eigene Schreiben und Lesen Anregungen aus Büchern wie der o. g.  “Romantherapie” oder der “Lyrischen Hausapotheke” zu holen.

Quellen:

*Berthoud E., Elderkin S. & Bünger T. (2013) Die Romantherapie. 253 Bücher für ein besseres Leben. Berlin: Suhrkamp-Verlag.

*Quelle: http://www.suhrkamp.de/buecher/die_romantherapie-traudl_buenger_17589.html

*Kästner E. (2011) Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke. München: DTV. Seite  7.

*Peseschkian N. (1976) Der Kaufmann und der Papagei. Orientalische Geschichten als Medien in der Psychotherapie. Mit Fallbeispielen zur Erziehung und Selbsthilfe. Frankfurt: Fischer.

*Heimes S. (2012) Warum Schreiben hilft. Die Wirksamkeitsnachweise zur Poesietherapie. Göttingen: Vandenhoek & Ruprecht.

*Leedy J. (2009) Prinzipien der Poesietherapie. In: Petzold H. & Orth I. (Hrsg.) Poesie und Therapie. Über die Heilkraft der Sprache. Poesietherapie, Bibliotherapie, Literarische Werkstätten. Bielefeld: Edition Sirius. S. 243-247.

Feedback

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Feedback ist wichtig. Schreiben ist ein einsamer Job. Zu hören, was andere über die Texte sagen, die man schreibt, kann Ansporn sein. Manchmal ist es auch ernüchternd. Feedback ist eine zweischneidige Sache. Man wünscht sich möglichst positive Resonanz, aber es soll ja auch ehrlich sein. Was es nützt es einem, wenn alle nur “ja, ja, ganz nett” sagen? Aber manche Kritik würde man sich auch lieber ersparen. Wenn sie ein Rundumschlag ist und danach das Gefühl aufkommt, an diesem Text ist Hopfen und Malz verloren. Wo liegt das richtige Maß?

In den meisten Fortbildungen, die ich erlebt habe, wurde beim Thema “Feedback” auf die so genannte Sandwich-Methode verwiesen. Kurz und vereinfacht gesagt bedeutet “Sandwich”-Methode, dass man bei einer Rückmeldung (z. B. in einer Schreibgruppe) zunächst etwas Positives, dann etwas eher Kritisches und am Schluss wieder etwas Positives äußert. Im pädagogischen Bereich wird dies auch “Bonbon”-Methode genannt, wenn eine kritische Rückmeldung in eine positiv-lobende “Verpackung” gesteckt wird. In der Schule hört sich das oft so an: “Ich sehe, dass du dich sehr bemüht hast und der Gedanke ist sehr interessant. Eigentlich lautet die Antwort aber ….“. Auf jeden Fall ist dies netter als die Aussage: “Setzen. Sechs.” Die Kritik wird der Schüler oder die SChülerin trotzdem heraushören. Genauso ist das mit dem “Ja, ja, dein Text ist ganz nett.”

Leider haftet allen Feedback- und Kommunikations-Techniken (z. B. den berühmten Reden in “Ich-Botschaften”) immer etwas Künstliches und Aufgesetztes an. Das liegt oft daran, dass die Haltung eine andere ist, als die Technik, die verwendet wird.

Wenn es nämlich nur um Auslese geht, wird der Text nicht individuell gesehen, sondern nur im Vergleich mit anderen Texten. Wenn ich jedoch der Meinung bin, dass in jedem Menschen und in jedem Text ein Potenzial schlummert, dann muss ich mich nicht an eine bestimmte Feedback-Technik klammern, dann ist mein Wohlwollen den Schreibenden und ihren Texten gegenüber ehrlich. Ich muss nicht heucheln, sondern kann mich einfach darauf konzentrieren, an welchen Stellen der Text weitergeführt werden kann. Diese Art des Feedbacks, die an der Ausbaufähigkeit und dem Potenzial des Textes ansetzt, ist übrigens wesentlich anspruchsvoller als eine Kritik, die sich den Schwachstellen widmet. 

Serielles Schreiben

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Das “serielle Schreiben” ist eine Schreibmethode des biografischen Schreibens. Du beginnst eine Serie von Sätzen immer mit demselben Wort oder mit dem selben Satz.

Diese Art des Schreibens lenkt die Aufmerksamkeit und hilft beim Fokussieren auf ein Thema. Das Wiederholen von Satzanfängen ähnelt einer Selbstsuggestion und hilft damit, z. B. in die Erinnerung einzutauchen.

Die Wiederholung kann auch anregen, beim Erinnern unterschiedliche Aspekte zu sehen und vielleicht ganz bewusst zwischen belastenden und positiven Erinnerungen zu wechseln. Ein Beispiel:

In meiner Jugend war ich oft unglücklich.
In meiner Jugend las ich viel und hörte Musik.
In meiner Jugend zog ich Kleidung an, die heute wieder modern ist.
In meiner Jugend war alles düster.
In meiner Jugend schrieb ich Gedichte.
In meiner Jugend war ich ständig verliebt.

Wem eine Zeitangabe wie “In meiner Jugend…” oder “In meiner Kindheit…” zu konkret ist, kann auch allgemeiner formulieren: “Ich erinnere mich…” oder “In meiner Erinnerung…”

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Literaturhinweis:

Von Werder, Lutz, Schulte-Steinicke Barbare & Schulte Brigitte (2011) Die heilende Kraft des Schreibens. Ostfildern: Patmos-Verlag

Automatisches Schreiben

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“I write because I don’t know what I think until I read what I say.”

(“Ich schreibe, weil ich nicht weiß, was ich denke bis ich lese, was ich sage.”)

So hat es die amerikanische Schriftstellerin Mary Flannery O’Connor einmal formuliert. Am Schreiben ist faszinierend, dass wir einerseits unsere Gedanken aufschreiben, und dann wechseln wir die Rolle und lesen, was wir geschrieben haben.

Das automatische Schreiben lehnt sich an die Methode der freien Assoziation aus der Psychoanalyse an. Das heißt, es wird ohne Zensur oder Fokussierung alles aufgeschrieben, was im Augenblick des Schreibens auf das Papier fließt. Der entstehende Text wird – in nach dieser Theorie – als Zeugnis der eigenen inneren Welt gesehen.

Der französische Psychiater Pierre Janet wandte das automatische Schreiben gezielt als therapeutische Methode an. Unbewusste Gefühle und Gedanken sollten durch das Schreiben (in Trance bzw. Hypnose) auf das Papier fließen. Durch das Lesen des eigenen Texten wird dem Schreibenden dann bewusst, was er gedacht hat.

Im Surrealismus und Dadaismus galten die durch automatisches Schreiben entstandenen Texte, die frei und ohne Zensur und Regeln geschrieben wurden, als eigene Kunstform. Es entstehen meist sehr originelle Texte, über die Schreibende sich oft selber wundern…

 

Freewriting

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Ich sitze stundenlang da und will schreiben und dann fange ich doch nicht an…”

Freewriting ist ein Begriff, den der Amerikaner Peter Elbow* geprägt hat. Er unterrichtete Schreiben für Studierende in den USA.  Die Grundidee ist es, in einer festgesetzten Zeit (zum Beispiel zehn Minuten) unzensiert und frei zu schreiben. Interpunktion und Rechtsschreibung spielen keine Rolle.

Wenn du auch beim Freewriting Probleme hast, anzufangen mit dem Schreiben, dann schreib das auf: “Mir fällt nichts ein. Ich weiß eigentlich nicht genau, was ich schreiben soll, am liebsten würde ich jetzt…”

Du kannst alles aufschreiben, weil du es nur für dich aufschreibst und deine Gedanken unmittelbar auf das Papier bringst.

Eine spezielle Form von Freewriting ist das fokussierte Freewriting. Dabei kannst du dir ein Thema wählen. Zum Beispiel: du hast ein Buch gelesen und schreibst zehn Minuten auf, was dich an diesem Buch beschäftigt, was du gut findest, was dir nicht gefiel.

In Gruppen einigen wir uns bei Freewriting-Texten oft auf ein Thema, über das wir schreiben. Sind die Texte fertig, tauschen wir uns z. B. dann durch einen ausgewählten Satz oder ein Wort aus unserem Freewriting-Text aus. Oder wir nehmen einen Satz oder ein Wort als Anlass für einen neuen Text.

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* Peter Elbow (1998) Writing Without Teachers. Oxford University Press, Oxford/New York.